Die Geschichte unseres
LANZ BULLDOG D 1616



 

Allgemeines zur Baureihe und zur Lanz Firmengeschichte

Die Lanz 16er Baureihe wozu auch unser Bulldog zählt, wurde von 1955- 1960 gebaut. Allgemein als Volldiesel bezeichnet, lösten sie die nur 3 Jahre gebauten Halbdiesel ab. Auch hier wurde traditionell der liegene Einzylinder 2- Takt-Motor verbaut, der jedoch beim Startvorgang - im Gegensatz zum Halbdiesel - auf Benzin verzichten konnte, weil er eine höhere Verdichtung aufweisen kann. Der Volldiesel wird mit einer Glühkerze vorgeglüht und bequem vom Fahrersitz gestartet. Deshalb konnte er auf manuelle Starthilfe, Benzin, Zündspule und Zündkerze verzichten. Weitere Neuerungen waren unter anderem eine Scheibenkupplung (anstatt 3-Backenkupplung), mittige Lenkung, an den Kotflügeln montierte Scheinwerfer und eine rundliche nach vorne klappbare Blechhaube. Die 16er Baureihe besaß die letzte Entwicklungsstufe des Bulldogmotors der mit 16 und 20 PS (Hubraum 2256 cm3) sowie mit 24 und 28 PS (Hubraum 2616 cm3) angeboten wurde. Später gessellte sich noch eine Variante mit 40 PS dazu, wobei von diesem Schlepper nur ca. 1000 Stück gebaut wurden.

In den 50er Jahren waren die Lanz Bulldogs den Ansprüchen an die moderner werdende Landwirtschaft nicht mehr gewachsen. Nach wie vor wurde an dem veralteten Motorenkonzept festgehalten und so kam es damit 1956 John Deere die Aktienmehrheit der Lanz AG erwarb. Ab 1958 gab es die Bulldogs nicht mehr in traditionellen Blau sondern in John-Deere-Grün. Auch der Zusatz "Bulldog" fehlte fortan. 2 Jahre später wurden die Volldiesel durch 2 neue Modelle mit 4 Zylinder 4-Takt Motoren abgelößt. Diese Schlepper trugen die Bezeichnung "John Deere Lanz" und hatten mit den klassischen Lanz Bulldog nichts mehr gemeinsam - das war das Ende der Lanz Bulldogs. Von diesem Zeitpunkt an werden im Mannheimer Werk bis heute John Deere Schlepper gefertigt.
 


Vorbesitzer

Unser Lanz Bulldog verließ im Frühjahr 58 das Werk in Mannheim mit der Fahrzeugnummer 165987. Am 28.6.58 wurde er durch Herr........ in ............. erstzugelassen. 5 Jahre später wurde er von Georg Knapp (meinem Opa) aus Haisterbach aufgekauft. Bis ca. 1992 verrichtet der Bulldog seinen Dienst in dem landwirtschaftlichen Betrieb meines Großvaters. Nachdem er seinen Betrieb aus altersgründen aufgegeben hatte stand der 16er Lanz bis zum jahr 2000 in einem offenen Unterstand bis mein Vater und ich ihn schließlich abholten.



 
 


 

Restauration

Nachdem wir den Bulldog mit unserem JohnDeere und Abschleppstange aus dem 25 KM entfernten Haisterbach zu uns nach Hause gebracht hatten wurde er erstmal in mehreren Gängen mit dem Dampfstrahler bearbeitet. Der Lanz war in einem sehr schlechten Zustand, da er die letzten 30 Jahre in einem nach 3 Seiten offenen Unterstellplatz verbracht hatte und sehr selten geputzt wurde. Nach der Grob- Reinigung wurde der Bulldog zur Restaurierung auseinandergebaut. Kupplung, Regler, Getriebe, sowie Öl und Kraftstoffpumpe wurden nicht zerlegt da hier eine einwandfreie Funktion überprüft wurde.

Folgende Probleme sind bei der Restaurierung aufgetreten:
Der Kolben des Vorölers war durch verschmutzungen festgegangen. Demontage laut Reparaturanleitung und Säuberung. Nach der Montage keine Probleme mehr gehabt.
Als weitaus größere Problem stellte sich heraus, daß die Schwungmasse mit einem zu kleinen Keil gehalten war. Die Folge war damit die Kurbelwelle an der Stelle wo die Schwungmasse sitzt eingelaufen ist. Daraufhin ist die Schwungmasse (auch mit passgenauen Keil) unrund gelaufen und war nach wenigen Minuten locker. Als Lösung dieses Problems habe ich die Schwungmasse an den Stellen wo Luft zur Kurbelwelle bestand mit dünnen Blechstreifen unterfüttert. Über die Kurbelwelle wurde eine gedrehte Buchse geschoben. Die Buchse hat eine einfräsung (wegen des Keils) und in der Mitte ein Loch für die Schraube, welche in das Gewinde in der  Kurbelwellenmitte gedreht wird. So gesichert besteht eine feste Verbindung. Allerdings muß auch das Loch in der Mitte der Anwurfscheibe vergrössert werden. Der Schutzdeckel wird ebenfalls mit einem Loch versehen und eine Kappe außen angebracht.

In den 60er Jahren hat mein Vater eine 3 Punkt Hydraulik angebaut. Zur gleichen Zeit ist er von Volldiesel-Blau auf John Deere-Grün umlackiert worden. Die beiden Lackschichten wurden mittels Flex mit Drahtbürstenaufsatz oder Beitze abgetragen. Bleche sind gerichtet, ausgebeult oder geschweißt und anschließend verschliffen worden. Nach diversen anderen kleinerer Reparaturen und Erneuerung aller Filter und Leitungen ging es an Grundierung, Lackierung und zusammenbau des Bulldogs.
Von Anfang der Restauration bis zum Ende vergingen gerade mal 3 Monate. Ich muß aber erwähnen damit ich viel Zeit habe und die 3 Monate fast jeden Tag von morgens bis abends an dem Schlepper arbeitete. Unterstützt wurde ich hauptsächlich von meinem Vater und von Opa. Sämtliche Verschleiß und Ersatzteile bezog ich von Bausch aus Steinbach/ Hadamar oder aus dem normalen Landmaschinenhandel.


 

Das Bild zeigt die Buchse die über die Kurbelwelle geschoben ist mit der Einfräsung für den Nasenkeil. Gehalten wird die Buchse von einer großen Schraube, welche in die Kurbelwellenmitte gedreht wird. Im Hintergrund die Anwurfscheibe mit dem vergrößerten Loch in der Mitte (wegen der Buchse)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



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