LANZ BULLDOG D8511


Bei der Restauration dieser, in vielerlei Hinsicht, außergewöhnlichen Maschine habe ich höchsten Wert auf Originalität bis ins Detail gelegt. Messing und Chrom wird man nur dort finden, wo es 1938 auch tatsächlich Verwendung fand. Nachbauteile wurden sehr sparsam und nur wirklich dort montiert wo kein originales Teil aufzutreiben war. Die Maschine ist komplett Nummerngleich bis in die Feinheiten (doch dazu später mehr). Eine weitere Besonderheit ist der Erhalt der Hofkarte des Erstbesitzers und das Betriebsbuch des Bulldogs. Dieses Buch stellt eine Art Arbeits- und Verbrauchsnachweis dar und soll in der Folge dieses Berichts auch beleuchtet werden. Anbauten, welche im Laufe des Bulldoglebens hinzukamen (z.B. Austausch der vorderen Felgen) habe nicht zurückgebaut, sondern gezielt erhalten. Die Technik der Maschine wurde selbstverständlich auf Vordermann gebracht. 

Ich möchte in diesem Bericht nicht genau beschreiben wie ich die Büchsen in der Vorderachse gewechselt habe oder die Bremsen neu belegte usw. Das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten auf die ich nicht näher eingehen möchte, womit aber Leser von Oldtimermagazinen leider immer wieder gelangweilt werden. Vielmehr möchte ich meinen Weg, welchen ich bei der Restauration gegangen bin(der aber keinesfalls der einzige richtige Weg ist) deutlich machen und Besonderheiten sowie meine Einstellung zur Sache aufzeigen. Wobei mir zu Beginn der Arbeiten diese Dinge auch nicht zu 100% klar waren. Ich wusste eigentlich nur, dass der Bulldog auf Patina gemacht werden sollte...

Anhand des folgenden Bildes, welches die eingelaufenen Bolzen des Gasgestänges zeigt, läßt sich schon recht gut auf den Zustand des Motors schließen - soviel vorab: der Bulldog wurde gefahren bis fast nichts mehr ging. Bevor ich ihn zerlegte habe ich den Traktor einmal gestartet und im Stand laufen lassen. Standgas war noch o.k. - so gefühlt ca.250 U/min, auf der Standgasmarkierung. Die Mechanik war aber dermaßen ausgeleiert, dass der Motor erst 5 Zacken vor Ende des Segments die Drehzahl anhob. Bei Vollgas machte der Motor ungefähr max.400 U/min. Kleine Anmerkung: bei 400 Umdrehungen hat selbst ein guter Bulldogmotor kaum Dampf. Da fragt man sich unweigerlich: "Wer fährt den so herum", geschweige denn "kann so auf Dauer arbeiten".

Wie eingangs schon erwähnt möchte ich allgemeine technische Arbeiten,welche ich am Bulldog erledigen musste und mir heute auch noch einfallen, nur in aller Kürze wiedergeben:
Vorderachse und Lenkung kompett neue Bolzen und Büchsen
Schnellgang verbaut
Alle Bremsen überholt und Beläge erneuert
Kupplungsschwungrad war gerissen - Büchse aufgezogen
Zylinder auf 228 gebohrt - neuer Kolben eingebaut
Rechtes Kurbelwellelager war auf der Welle eingelaufen, daher Welle in mehreren Schichten aufgechromt und die Stelle an der die Filzringe laufen - aufgeschweisst
Neue Kurbelwellenlager
Tank geschweisst
Regler, Gashebelei, Daumenwelle überholt
Hinterachse abgedichtet und auf Simmering umgebaut


Unterhalb der Luftansaugschlitz auf der linken Seite des Schleppers findet sich ein seltenes und zugleich schönes Detail am Rande: Das, auf Messingblech geprägte, Firmenschild der ehemaligen Verkaufs - und Reperaturwerkstatt Weidelich und Herz, ansässig in Kleinheubach am Main. 


Neben dem schon erwähnten Werkstattschild, sind die 16 Kühlermuttern die einzigsten Teile an der Maschine welche aus Messing gefertigt sind. Wohl bemerkt, diese Muttern sind keine Nachfertigungen aus Holland oder Polen, es sind Originale. Bei genauerer Betrachtung ist das auch schnell zu erkennen. Sie sehen allesamt "gebraucht" aus, und die D-Nummer ist nicht wie bei den Duplikaten auf billige Weise eingefräßt oder eingegossen. Sie ist auf der Fläche ganz filigran erhaben.

Um ein Höchstmaß an Originalität beizubehalten, durften selbstverständlich nicht einfach neue Messingkühler aus dem Teilemarkt angeschraubt werden. Auch hier bin ich den etwas beschwerlicheren Weg gegangen und habe die alten Elemente gründlich gereinigt von jahrzente alten Dreck und dem in den Rippen festgebackenen Fett aus der Riemenlagerung. Die Kühleraugen konnte ich mittels Spezialkleber und einem Härtepulver soweit aufarbeiten, dass sie dicht wurden. Die verwendete Kleber/Pulvermischung wird bei Zusammenkommen der beiden Komponenten innerhalb von Sekunden steinhart. Anschließend lässt es sich mit einer Feile bearbeiten und glätten, so dass eine gute Dichtfläche entsteht. Auf Papierdichtungen zwischen den einzelnen Teilen habe ich bewust verzichtet und Kork benutzt. Kork hat im Vergleich zu Papier den Vorteil, dass es längst nicht so fest angezogen werden muss um dicht zu werden. Bis auf eines der Kühlelemente konnte ich alle "retten". In dem Fall stieß ich auf dem Odenwälder Teilemarkt auf einen bayrischen Lanzteilehändler, welcher alte Kühler mit einem neuen Deckel-Augeteil (nicht wie früher 2 Teile sondern nur eines) verlötet. Prima dicht und fast kein unterschied zu den anderen originalen Kühlern - insgesamt sehr zu empfehlen.


Da ich alle Schrauben des Bulldog gesäubert, sowie nach Bedarf nachgeschnitten habe, fiel mir bei den Schrauben der vorderen Felgen auf, dass diese allesamt eine Querbohrung aufwiesen.  Ein ehemaliger Lanz-Arbeiter aus der werkseigenen Werkstatt in Mannheim, erzählt mir mal vor Jahren, dass die Schraubverbindungen der vorderen Felgen bei Maschinen welche sehr schwer ziehen mussten, oft mit Draht gesichert wurden. Deshalb stand es vollkommen ausser Frage wie in diesem Fall zu verfahren ist. Natürlich kam der Draht zum Einsatz, Radkappen waren keine an der Maschine und kamen auch keine dran.

Entgegen einem aktuellen Trend einer nicht gerade kleinen Gruppierung unter Lanzrestaurteuren, habe ich mich entschlossen Reifen aufzuziehen welche der eigentlichen Größe und Profil sehr nahe kommen. Getreu dem Motto "mehr=besser" greift dieser schon erwähnte Trend um sich und Reifengrößen von 9.00-20 Zoll sind im Jahre 2010 keine Seltenheit. Mir ist sogar schon eine Maschine mit 9.50 begegnet. Ich entschied mich dagegen für schmale 6.50 - 20 Zoll mit Ackerwagenprofil vom Hersteller Mitas.


Auch nicht gerade alltäglich an Glühkopfbulldogs sind die sogenannten Trommelscheinwerfer des Herstellers Robert Bosch. Sie haben, wie die konventionellen Lampen, ein flaches Glas und anstatt eines sich nach hinten verjüngenden Metallkörpers den eines stumpfen kurzen Zylinders (daher der Name - Trommel). Diese Art des Beleuchtungsmittels ist mir bis heute gerade 2 Mal an Lanz Bulldoggs begegnet. Alles Maschinen aus dem Bauzeitraum von meinem Bulldog. Ob diese Lampen tatsächlich noch original ab Werk sind, vermag ich nicht zu sagen. Des weiteren sind mir diesbezüglich keine sachkundige Quellen bekannt welche hierzu eine fundierte Meinung haben. Aber egal- hat mich letztendlich alles auch nicht gestört, mir gefallen sie und deshalb bleiben sie auch dran.

Laut Betriebsbuch (dazu komme ich später) wurde der Bulldog u.a. als Dreschmaschinenantrieb eigesetzt, die originale Lanz-Riemenrolle sitzt noch heute auf der Vorderachse.

Des weiteren fällt dem Lanzkenner der alte Zylinderkopf mit der Kerze nach vorne auf.

Um interessantes zu den Bulldogs zu erfahren. 

Fortsetzung folgt...


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