Lanz Bulldog D2816
Im Juli 1957 wurde der Schlepper von einem Landwirt in der Frankfurter Gegend das erste mal zugelassen. Der selbe Bauer meldete ihn im September 1981 bei der Zulassungsstelle wieder ab. In den folgenden Jahren fristete der Bulldog ein vergessenes Dasein in einem hinteren Winkel der Scheune. Bis zu dem Tag an dem ich den Bulldog kaufte....
Der Bulldog befand (und befindet) sich in einem wirklich selten guten Originalzustand. Liebevolle Pflege und ein trockener Standplatz erhielten dem Bulldog seine blaue und rote Farbe und gaben dem Rost keine Chance. Selbst die weisse Zierleiste auf der Motorhaube sowie die Luftdruckangaben der Reifen auf den Kotflügeln ist noch sehr schön erhalten.Was aber keinesfalls heisst, dass der Lanz nicht viel arbeiten musste. Betrachtet man sich den hohen Abnutzungsgrad der Fußhebel wird einem schnell bewusst, damit der Traktor viele Betriebsstunden auf dem Buckel hat.

Einer der ganz wenigen Bulldogs, welche noch die originalen PS-Angaben auf der Haube haben.
Aufgrund der schön leuchtenden Farben auf dem Lanz-Ährenkranzschild ist man geneigt zu glauben es handele sich um ein Neuteil aus Holland - aber Fehlanzeige, auch hier alles noch echt.

"Lanz" und "Bulldog" Schilder neben dem Firmenaufkleber der Landmschinenwerkstatt welche den Schlepper 1957 verkaufte. Über 50 Jahre ließen diesen und den Lack der Motorhaube zu Einem werden.

Ganz nebenbei erwähnt: Der Bulldog spring auch angenehm leicht an. Als ich die technischen Durchsicht beendet hatte, war noch kein Deckel über dem Reglerschwungrad montiert. Mit dem linken Fuss habe ich das Schwungrad ganz bequem vom Fahrersitz aus, auf Kompression gedreht, vorglühen, anschließend 7-8 Mal schnell über den Vorpumphebel Diesel einspritzen und der Motor startet ohne Anlasser oder sonstige Hilfe.

Nachdem ich den 28er Zuhause hatte wurde er als erstes mal ordentlich durchgesehen sowie ausserlich und innerlich gründlich gereinigt. Dabei fiehl mir eines ganz besonders auf: wirklich alle Schrauben an dem Schlepper waren nur "handwarm" angezogen. Die meisten konnte man mit der Hand lösen.

Dann war da noch...
Der Ölbehälter war an einer Schweissnaht, die eine Anschrauböse hält, gerissen. Hier konnte ich von einem Händler günstigen Ersatz bekommen.
Problematisch zeigte sich der Kühler. Dieser war an mehreren der originalen Löt-Stellen aufgerissen u.a .das Überlaufröhrchen. Manche Lötstellen erforderten mehrere Versuche und viel Geduld.
Der Hebel des Vorpumpölers liess sich fast wiederstandslos und auch erheblich leichter betätigen wie der unseres 16ers. Deswegen wurde dieser komplett gereinigt, eine gebrochene Feder getauscht und eine Kugel in ihren Sitz geschlagen.
Ein weiteres Manko: Schon bei geringer Anhängelast begann die Kupplung zu schleifen. Nachdem ich sie ausgebaut hatte stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass die Beläge noch auf dem Neumaß waren. Hier liegt der Verdacht nahe, damit diese während der letzen Einsatzzeit beim Bauern mal erneuert wurden. Und überhaupt scheint man mit der Kupplung oder deren Einstellung damals irgendwelche Probleme gehabt zu haben. Die Einstellbolzen waren an den Stellen wo das Werkzeug eingreift total vermurkst. An dieser Stelle wurde einiges überarbeitet und ausgebessert bevor Kupplung ordentlich eingestellt werden konnte.

Als ich die lange Ölleitung von der Pumpe zum rechten Hauptlager demontiert hatte staunte ich bei der anschließenden Inspektion nicht schlecht: Die Leitung hatte sich über eine Länge von 3 cm auf ihrer Rückseite (hat am Guss des Kurbelgehäuses angelegen) halb durchgescheuert. Von vorne war diese Leckage nicht erkennbar. Das rechte Hauptlager erhielt nicht nur ein paar Tage oder Wochen kein Öl mehr, sondern monate- oder gar jahrelang. Da kann man sich nur wundern, dass an dieser Stelle kein Schaden entstanden ist.

Sämtliche Filter wurden erneuert, alle Flüssigkeiten abgelassen und deren Behälter gereinigt. Als ich das Getriebeöl ablassen wollte, stellte ich verwundert fest damit kein Tropfen Öl sich im Getriebe befand. Nun bin ich vorher ca. 3 Stunden mit dem Bulldog gefahren. Laute oder abnorme Geräusche oder eine schwergänige Schaltung waren aber zu keiner Zeit festzustellen.Der Vorbesitzer hatte ihn das letzte viertel Jahr auch hin und wieder bewegt. Aber der Bulldog lässt sich bis zum heutigen Tag ganz weich und exakt schalten. Verursacht wurde dieser Ölverlust durch die lockeren Schrauben zwischen Kurbelgehäuse und Getriebe. Selbstverständlich musste der Bulldog getrennt und mit einer neuen Dichtung versehen werden.

Mit der Hydraulik hatte ich auch so meinem Kampf. Abends war sie noch ganz oben und über Nacht sackte sie komplett nach unten ab. Zuerst habe ich eine neue Nutmanschette am Kolben und Simmerringe an den Hubarmen verbaut - leider ohne entscheidenden Erfolg. Den Schuldigen hatte ich dann schnell beim Steuerorgan ausgemacht. Also habe ich das gute Teil soweit es ging zerlegt (viel ist ja nicht drin). Anschließend auch einiges probiert aber letztendlich keinen Erfolg gehabt. Deswegen wurde das alte Steuerventil überbrückt und ein Neuteil aus dem Landmaschinenhandel eingebaut. Sogar wenn der schwere Holzspalter angehängt ist, hat die Hydraulik nach einer Woche noch nicht nachgegeben.
 

Der 28er wird das ganze Jahr als Arbeitsbulldog eingesetzt.Über den Winter bekommt er oft eine 4 t Seilwinde von Typhoon angehängt und muss zum Waldeinsatz ausrücken. Um einem seitlichen Umkippen, im teils schwierigen Gelände des Odenwaldes, entgegenzuwirken habe ich auf jeder Seite der Hinterachse die Spur um 7,5cm verbreitert.

 
Obwohl der Bulldog das 120 kg schwere Frontgewicht und alle Gewichtsplatten (+ noch eine mehr) unter der Haube hat, neigt er beim Holzrücken mit angehängter Winde und schweren Buchenholz zum Steigen der Vorderräder. Selbstverständlich fahre ich das Holz auch mit dem ihm nach Hause. Dabei befinden sich meistens ca 5-8 t auf dem Tieflader.
Während des Sommers erledigt der Bulldog neben Aufgaben wie Holzspalten meistens unterschiedliche Transportaufträge. Im Herbst 2009 erlebte der 28er Lanz seine weiteste Fahrt unter meiner Regie, als ich 100 km von Zuhause entfernt Maschinenteile holen musste.
Hin und wieder fahre ich mit ihm zu Treffen oder nutze ihn bei Ausfahrten mit den Traktorfreunden - aber nur wenn das Wetter richtig schlecht ist und ich meine anderen Traktoren schonen möchte.